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Gesundheitsreformdiskussionen
WIP Studie über den Unterstützungsbeitrag der PKV für das Gesundheitswesen in Deutschland


(wip-studie / pkv-verband)

Zusammenfassung der WIP-Studie

Allein dadurch, dass es Privatpatienten gibt, flossen im Jahr 2004 9,536 Mrd. Euro zusätzlich in das deutsche Gesundheitssystem. Damit haben die privat Krankenversicherten einen gegenüber dem Vorjahr um nochmals rund eine Milliarde Euro gesteigerten Mehrumsatz erbracht. Dies ist das Ergebnis der Fortschreibung einer Studie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP), bei der erstmals Zahlen aus 2004 ausgewertet werden konnten.

In den Berechnungen werden die Leistungsausgaben, die PKV-Versicherte tatsächlich verursacht haben, mit den Ausgaben verglichen, die die PKV-Versicherten in der GKV erzeugt hätten, wenn sie dort versichert gewesen wären. Aus den Daten der Kopfschadenstatistik der PKV und des Risikostrukturausgleichs lassen sich die Leistungsausgaben der Privatversicherten in der PKV und die hypothetischen Leistungsausgaben für die PKV-Versicherten in der GKV errechnen.

Im Jahr 2004 haben PKV-Versicherte ca. 21 Mrd. Euro ins Gesundheitssystem gezahlt. Hierin sind Beihilfezahlungen für Beamte und die erfassten Selbstbehalte enthalten. Wären die rund 8 Millionen PKV-Versicherten stattdessen Mitglieder der GKV gewesen, hätten die Kassen für sie nur 11,5 Mrd. Euro erstattet. Diese Differenz wird als Mehrumsatz bezeichnet und betrug im Jahr 2004 insgesamt 9,536 Mrd. Euro.

Im Durchschnitt hat jeder Privatversicherte 2.610 Euro an Leistungsausgaben als PKVVersicherter verursacht. In der GKV wären es mit 1.423 Euro erheblich weniger gewesen. Der Mehrumsatz entsprach also über 45 Prozent der gesamten Leistungsausgaben, die PKV-Versicherte in Anspruch genommen haben.
Ursachen des Mehrumsatzes

In den Systemen PKV und GKV unterscheiden sich sowohl die Preise als auch die Leistungsumfänge. Einerseits weichen der vertragliche Versicherungsumfang und andererseits das Leistungserbringungsverhalten der Akteure voneinander ab, je nachdem, ob der Patient privat oder gesetzlich versichert ist. So entsteht der daraus folgende Mehrumsatz in einigen Bereichen vorwiegend durch höhere Preise für gleiche Leistungen (Preiseffekt) und in anderen Bereichen eher durch mehr Leistungen für Privatversicherte (Struktureffekt).
Preiseffekt

Ein Preiseffekt ist in allen Bereichen in unterschiedlicher Ausprägung anzutreffen. Bei der Abrechnung der Leistungen im ambulanten Bereich gilt in der PKV das Kostenerstattungsprinzip und in der GKV das Sachleistungsprinzip. Für PKV-Versicherte werden die Leistungen nach der Gebührenordnung für Ärzte vergütet. Leistungen an gesetzlich Versicherte werden nach dem einheitlichen Bewertungsmaßstab berechnet. Daraus resultieren höhere Preise in der PKV für gleiche Leistungen. So ist der überwiegende Teil des Mehrumsatzes im ambulanten Bereich dem Preiseffekt zuzuschreiben. Auf dem Arzneimittelmarkt existieren für GKV-Versicherte umfangreiche Rabattregelungen. Da diese für PKV-Versicherte nicht gelten, ist hier ein Preiseffekt festzustellen. Auch im zahnmedizinischen Bereich lässt sich ein Preiseffekt aufgrund zweier Vergütungssysteme finden, der aber eher unbedeutend ist.
Struktureffekt

Ein gewisser Struktureffekt lässt sich ebenfalls in allen Bereichen nachweisen. Am stärksten ist er im stationären und im zahnmedizinischen Bereich ausgeprägt. So stellen beispielsweise die zusätzlichen Zahlungen für Wahlleistungen im stationären Bereich einen Struktureffekt dar. Auch das deutlich höhere Leistungsangebot der PKV im zahnmedizinischen Bereich fällt darunter.
Entwicklung des Mehrumsatzes

Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre (Abbildung 1), so ist ein kontinuierlicher Anstieg des Mehrumsatzes zu verzeichnen. Allein von 2003 auf 2004 betrug er rund eine Milliarde Euro und hat sich damit gegenüber den Vorjahren deutlich beschleunigt.Entwicklung des Mehrumsatzes Betrachtet man die Entwicklung der letzten Jahre (Abbildung 1), so ist ein kontinuierlicher Anstieg des Mehrumsatzes zu verzeichnen. Allein von 2003 auf 2004 betrug er rund eine Milliarde Euro und hat sich damit gegenüber den Vorjahren deutlich beschleunigt.

Arzthonorare

Der größte Anteil der Leistungsausgaben im ambulanten Sektor entfiel auf die Arzthonorare. Auch der größte Teil des Mehrumsatzes entstand in diesem Bereich. Im Jahr 2003 waren es noch 3,660 Mrd., 2004 bereits 4,106 Mrd. Euro. Eine Steigerung um 12,19 Prozent, die weit über den entsprechenden Raten der Vorjahre liegt. Für das Jahr 2004 müssen nunmehr über 60 Prozent der Leistungsausgaben der PKV-Versicherten im Bereich Arzthonorar dem Mehrumsatz zugerechnet werden - deutlich mehr als in anderen Sektoren.

Arznei-, Heil- und Hilfsmittel

Der zweitgrößte Anteil des Mehrumsatzes ist bei den Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln zu beobachten. Für alle PKV-Versicherten zusammen ergab sich dabei im Jahr 2004 ein Mehrumsatz von 2,538 Mrd. Euro. Dies stellt eine Erhöhung von 7,77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr dar.

Zahnmedizinischer Bereich

Der dritthöchste Mehrumsatz ist dem Bereich Zahnbehandlung und -ersatz zuzuordnen. Hier entstand ein Betrag von 2,170 Mrd. Euro im Jahr 2004. Durch die gegenläufige Entwicklung der Ausgaben in der PKV und der GKV in diesem Bereich stellte sich somit eine starke Steigerung von über zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Ganze 63,1 Prozent des Umsatzes sind hier dem Mehrumsatz der PKV zuzurechnen. Im Vergleich zu den anderen Sektoren des Gesundheitswesens ist dies der höchste Wert.

Stationärer Bereich

Gesetzlich und privat Versicherte erhalten im stationären Bereich die allgemeinen Krankenhausleistungen zu gleichen Bedingungen. PKV-Versicherte beziehen in der Regel noch extra zu vergütende Wahlleistungen, wie Ein- oder Zweibettzimmer und Chefarztbehandlung. Insgesamt betrug der Mehrumsatz 2004 im stationären Bereich 723 Mio. Euro.

Der Anstieg des Mehrumsatzes zwischen 2003 und 2004 lässt sich auf verschiedene Gründe zurückführen:
Mehrumsatzeffekt durch die Erhöhung der Versichertenzahl

Die Anzahl der Personen mit privater Krankheitsvollversicherung ist gestiegen. Die Erhöhung der Versichertenzahl bewirkt eine unmittelbare Erhöhung des Mehrumsatzes, da für die neuen Versicherten Leistungsausgaben in der PKV anfallen, die „automatisch“ Mehrumsatz beinhalten. Ca. 173 Mio. Euro des Zuwachses von 2003 auf 2004 sind den neuen Versicherten zuzurechnen.
Alterseffekt

Im beobachteten Zeitraum hat sich die Altersstruktur in den Krankenversicherungssystemen verändert. Das Durchschnittsalter der PKV-Versicherten lag 2003 bei 39,9 Jahren und ist 2004 auf 40,15 Jahre gestiegen. Dies entspricht einer Erhöhung um ca. 91 Tage. Durch die Alterung steigen die durchschnittlichen Ausgaben – und zwar sowohl die tatsächlichen in der PKV als auch die hypothetischen in der GKV. Da die PKV-Ausgaben aber auf einem höheren Niveau wachsen, erhöht sich durch die Alterung auch der Mehrumsatz. Für die über acht Millionen Privatversicherten stieg der Mehrumsatz aufgrund der Alterung von 2003 auf 2004 um 89,8 Mio. Euro. Dies waren 11,17 Euro pro Person.

Veränderungen durch die Gesetzgebung

Das Gesundheitsmodernisierungsgesetz (GMG) führte in den Leistungsausgaben der GKV zu Effekten, die sich auch auf die Höhe des Mehrumsatzes niederschlugen. Denn durch dieses Gesetz haben sich die Leistungsausgaben der Kassen verringert - meist zulasten ihrer Versicherten. Zu nennen sind hier die erhöhten Zuzahlungen bei Arzneimitteln und im Krankenhaus, die Praxisgebühr sowie Leistungseinschränkungen bei nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten, Fahrkostenerstattung, Brillen, Entbindungsgeld und Sterbekosten. Auch für die imaginär in der GKV versicherten Privatpatienten wären also weniger Erstattungen geleistet worden. Entsprechend höher fällt ihr Mehrumsatz aus.

Den größten Anstieg verzeichnete der Bereich Arzthonorare. Hier trat ein Zuwachs von 446 Mio. Euro auf. An dieser Stelle wirkte sich der Rückgang der Ausgaben in der GKV durch die Einführung der Praxisgebühr aus. Auch ist in diesem Bereich von einer Überwälzung der Kosten von der GKV auf die PKV auszugehen, da die Ärzte den Kostendruck in der GKV durch höhere Privatrechnungen kompensieren.

Der zweitgrößte Zuwachs des Mehrumsatzes ist im Arznei-, Heil- und Hilfsmittelbereich mit plus 183 Mio. Euro festzustellen. Hier wirkten sich zum Teil die höheren Zuzahlungen in der GKV aus, die zu einem Rückgang der Ausgaben für Arznei-, Heil- und Hilfsmittel geführt haben. In der PKV sind die Leistungsausgaben dagegen weiter gestiegen.

Fazit

Die Analyse hat gezeigt, dass PKV-Versicherte im Jahr 2004 einen erheblichen Mehrumsatz von 9,536 Mrd. Euro im Gesundheitssystem erzeugten. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich dieser Mehrumsatz um rund eine Milliarde Euro erhöht. Die Änderungen des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes haben dazu geführt, dass sich die Ausgaben in der GKV in allen Bereichen – mit Ausnahme der stationären Versorgung – reduziert haben. In der PKV erhöhten sich die Ausgaben pro Kopf dagegen in allen Bereichen. Dies war zum Teil auch Folge eine Überwälzung der Kosten von der GKV auf die PKV. So hat sich der Beitrag, den die privat Versicherten als Systemausgleich ins Gesundheitssystem zahlten, maßgeblich aufgrund politischer Entscheidungen erheblich gesteigert.

(pkv verband Text)





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